Prüfplan für Elastomerteile: Was wirklich zählt

Härte, Dichte, Compression Set, Alterung & Quellung: So erstellen Sie einen effizienten Prüfplan – auditsicher und praxistauglich (QS, ISO 9001, Labor).

Key-Takeaways zum Prüfplan Elastomerteile
  • Must-haves für fast jedes Elastomer-Teil: Härte, Abmessungen, Sichtprüfung + ein funktionsnaher CS- und Medien-/Quelltest.
  • Audit-sicher wird der Prüfplan erst mit klaren Regeln: Stichprobe, Grenzwerte, Prüfmittel, Reaktionsplan, Rückverfolgbarkeit.
  • Statistik pragmatisch: Wareneingang (AQL/Losprüfung), Prozess (SPC/Trends), Abnahme (Erstmuster/CoC) – nicht alles an jeder Charge.
  • CS (Druckverformungsrest) ist für Dichtfunktionen oft der wichtigste Lebensdauer-Indikator bei Temperatur.
  • Alterung & Quellung immer mit realen Medien/Temperaturen prüfen – Laborwerte ohne Einsatzprofil sind selten belastbar.

Prüfplan Elastomerteile: Steckbriefe typischer Prüfmerkmale

Härte
Shore / IRHD
Stärken: schnell, günstig, sehr prozessnah (Mischung/Vernetzung).
Grenzen: sagt wenig über Medien-/Temperaturbeständigkeit; stark abhängig von Messmethode und Probengeometrie.
Typisch: Wareneingang, Inprozess-Kontrolle, Freigabe von Härtefenstern (z. B. 60 ± 5 Shore A).
Dichte
g/cm³
Stärken: guter Plausibilitätscheck für Füllstoff-/Weichmacheranteile und Chargenkonstanz.
Grenzen: kleine Rezepturänderungen können untergehen; auf Porosität/Blasen empfindlich.
Typisch: Materialeingang, Mischungsfreigabe, Verdachtsprüfung bei Abweichungen.
Compression Set (CS)
% Rest
Stärken: zentral für Dichtheit über Zeit – besonders bei Temperatur.
Grenzen: stark temperatur- und zeitabhängig; Ergebnisse sind ohne Einsatzprofil schwer vergleichbar.
Typisch: Freigabe bei Dichtteilen (statisch), Rezepturvergleich, Nachweis gegenüber Kunden/audit.
Alterung & Quellung
ΔEigenschaften
Stärken: bildet thermische/chemische Belastung ab (Massenzunahme, Volumen, Härte-Shift).
Grenzen: reale Medien (Additive, Reinigung, Mischungen) sind oft komplexer als Standard-Fluide.
Typisch: Medienkontakt-Teile, Hotspots, Service-Intervalle, Reklamationsaufklärung.

 

1Prüfplan Elastomerteile – welches Material/Verfahren wofür?

Kurzantwort: Setzen Sie Prüfungen dort an, wo sie Funktionsrisiken direkt abdecken: Härte (Montagekraft/Kompression), Dichte (Chargenkonstanz), CS (Dichtfunktion über Temperatur/Zeit) und Alterung/Quellung (Medienkontakt). Alles Weitere ist „bedarfsgesteuert“ – abhängig von Anwendung, Reklamationskosten und Prozessfähigkeit.

Für Serienumfelder mit hoher Variantenvielfalt lohnt ein standardisiertes Vorgehen (Vorlage + Baukasten). In der Praxis entstehen auditsichere Prüfpläne, wenn QS, Fertigung und Labor dieselbe Sprache sprechen – inklusive Prüfmittelverwaltung und Rückverfolgbarkeit gemäß ISO-9001-Logik.

Tipp aus der Praxis: Wenn Ihre Elastomerteile in typischen Industrieumgebungen laufen, orientieren Sie die Prüfschwerpunkte an den häufigsten Lastfällen im Elastomer-Technik im Maschinenbau-Kontext (Temperaturspitzen, Schmierstoffe, dynamische Anteile).

2Matrix: schnelle Auswahl nach Medium & Temperatur – Prüfplan Elastomerteile

Kurzantwort: Je „heißer“ und je „chemischer“ die Anwendung, desto wichtiger sind CS, Alterung und Quellung. Für rein mechanische Dämpf-/Schutzfunktionen reicht oft ein schlanker Plan aus Sichtprüfung, Härte und Maßprüfung.

Für angrenzende Anwendungen und typische Lastfälle hilft der Überblick über Branchenanforderungen auf der Märkte-Übersicht.

Hinweis: Auf dem Smartphone bitte seitlich ↔︎ scrollen.
Anforderung / Risiko Härte Dichte CS Alterung Quellung Statistik / Abnahme
Dichtfunktion statisch (Temperatur) ++ + +++ ++ + Losprüfung + Trend (CS)
Medienkontakt (Öl, Reiniger, Kühlmittel) + + ++ ++ +++ Einsatzmedien definieren + Grenzwerte
Gewicht/Masse & Chargenkonstanz + +++ o o o SPC/Trend bei Dichte/Härte
Hitzespitzen / Ofennähe + + +++ +++ + Funktionsnahe Temperatur & Zeit
Legende: +++ sehr wichtig · ++ wichtig · + sinnvoll · o optional · meist nicht nötig.

3Compression Set – kurz erklärt

Kurzantwort: Der Compression Set (Druckverformungsrest) beschreibt, wie viel bleibende Stauchung nach definierter Kompression, Zeit und Temperatur übrig bleibt. Je kleiner der CS, desto stabiler hält die Dichtung ihre Anpressung – und desto geringer ist das Risiko schleichender Leckage.

  • Temperatur treibt CS: Planen Sie mindestens einen „Hotspot“-Test (Worst Case) ein.
  • Zeitfenster definieren: Kurztest für Freigabe, Langtest für Lebensdauerhypothese.
  • Vergleichbarkeit sichern: Immer gleiche Prüfkörpergeometrie, Kompression und Konditionierung.

4Relevante Normen & Zulassungen – Prüfplan Elastomerteile

Kurzantwort: Normen helfen, Prüfungen vergleichbar zu machen – sie ersetzen aber nicht das Einsatzprofil. Halten Sie im Prüfplan fest: Normreferenz, Abweichungen (falls nötig), Prüfmittel, Probenkonditionierung und Dokumentation.

  • Härte: Shore/IRHD nach gängigen Elastomer-Normen (Methode immer explizit angeben).
  • Dichte: über Standardverfahren zur Dichtebestimmung (Wasserverdrängung/pyknometrisch je nach Probe).
  • CS: Druckverformungsrest nach einschlägigen CS-Standards (Temperatur/Kompression/Zeit als Mussangabe).
  • Alterung & Medien: thermische Alterung + Medienlagerung (Service-Medien bevorzugt).

Für Datenblätter, Konformitäten und materialbezogene Nachweise bündeln wir Dokumente im Download-Bereich; Einblick in unser Qualitätsmanagement (ISO 9001:2015) finden Sie unter Über REIKA. Bitte Aktualität der jeweils gültigen Normfassungen prüfen.

5Auslegungs-Checkliste

Kurzantwort: Ein Prüfplan ist dann effizient, wenn er Ihre Top-5-Risiken abdeckt und gleichzeitig prozessfähig bleibt. Nutzen Sie die Checkliste als „Vorlage“, um die Prüfmerkmale sauber zu begründen und im Audit schnell zu verteidigen.

✓ Prüfmerkmale & Grenzwerte
Soll/Ist, Toleranzen, Grenzmuster, Sichtprüfkriterien (Fehlerkatalog).
✓ Stichprobe & Frequenz
Wareneingang vs. Inprozess vs. Endprüfung – an Risiko und Losgröße koppeln.
✓ Prüfmittel & Rückführung
Kalibrierstatus, Messunsicherheit, Arbeitsanweisung, Prüferqualifikation.
✓ Reaktionsplan
Was passiert bei Abweichung? Sperren, Nacharbeit, 8D, Prozesskorrektur.

6Mini-Berechnungen & Parameter

Kurzantwort: Ein kleiner Statistik- und Dokumentationsblock macht Ihren Prüfplan deutlich belastbarer – ohne ihn zu überfrachten.

  • Einfaches Trend-Tracking: Härte und Dichte als Zeitreihe (Charge/Datum) – Abweichungen früh erkennen.
  • CS-Auswertung: Ergebnis immer mit Temperatur/Zeit/Kompression dokumentieren; „besser/schlechter“ nur bei identischen Bedingungen.
  • Prüfplan-Template (Baukasten): Merkmal · Norm/Methode · Prüfmittel · Stichprobe · Grenzwerte · Frequenz · Dokument · Reaktionsplan.
Vorlage (Kurzform) – so liest sich ein auditsicherer Prüfplan-Eintrag
Merkmal: Compression Set (CS)
Bedingungen: 25% Kompression · 100 °C · 24 h (Beispiel – anwendungsspezifisch festlegen)
Stichprobe: n = 3 je Charge (oder je definierter Frequenz)
Grenzwert: CS ≤ X %
Reaktion: Charge sperren → Ursachencheck (Mischung/Vulkanisation) → Wiederholprüfung → Freigabeentscheidung dokumentieren

7Use Case & typische Fehlerbilder

Beispiel: Dichtung verliert nach 3–6 Monaten an Dichtheit (warm, statisch)
Typische Ursache ist nicht „zu weich“, sondern ein CS-/Alterungseffekt bei realer Temperatur. Ein schlanker Prüfplan erkennt das früh: CS bei Hotspot-Temperatur + eine kurze thermische Alterung + Maß-/Härte-Check als Gegenprobe.
  • Fehlerbild: Leckage trotz i.O. Härte → CS zu hoch / Kompression im Einbau zu gering / Temperaturspitzen unterschätzt.
  • Fehlerbild: Aufquellen/Versprödung → Medienwechsel (Reiniger/Additive) nicht im Quelltest abgebildet.
  • Fehlerbild: Chargenschwankung → Dichte/Härte-Trends fehlen, Rezeptur-/Prozessdrift bleibt unentdeckt.

REIKA unterstützt von der Rezeptur über Fertigung bis QS – alles aus einer Hand, mit eigener Mischerei (>200 Rezepturen), ISO 9001:2015 und zuverlässiger Lieferung „Made in Germany“ (Karlsruhe).

Prüfplan-Quickcheck buchen – schicken Sie Einsatzprofil, Medium, Temperatur und Losgröße; wir schlagen kurzfristig einen schlanken, auditsicheren Prüfplan vor.

Kontakt

Weitere Beiträge

Chemikalienbeständigkeit von Elastomeren: Praxis-Matrix 2026

Medien, Temperatur, Dauer: So finden Sie das passende Elastomer – mit schneller Matrix für EPDM, FKM & Co.

weiterlesen

Armaturendichtungen: sicher, normkonform, langlebig

Leitfaden für Dichtungen in Armaturen: Normen korrekt umsetzen, Materialwahl treffen und Lebensdauer erhöhen.

weiterlesen

PFAS-Update 2026: Auswirkungen auf FKM/FFKM-Dichtungen

Was bedeuten die ECHA-Updates für FKM/FFKM? Optionen für PFAS-arme Alternativen und To-dos für Einkauf & Entwicklung.

weiterlesen

Normen-Compass

Normen-Compass: KTW-BWGL, FDA & UL94 für Elastomere

KTW-BWGL, FDA, UL94 V-0 im Überblick: Anforderungen, Prüfwege und Dokumentation – kompakt für Entwickler & Einkauf.

weiterlesen

Gummi-Spritzguss richtig planen

Gummi-Spritzguss richtig planen: DfM-Leitfaden

Serientauglich von Anfang an: Toleranzen, Entformung, Wandstärken und Gratmanagement verständlich erklärt – mit Praxischecks.

weiterlesen

Trinkwasser-Dichtungen

Trinkwasser-Dichtungen: DVGW & KTW-BWGL kurz erklärt

Leitfaden für Trinkwasser-Dichtungen: So erfüllen Sie DVGW & KTW-BWGL und wählen EPDM & Co. praxisgerecht aus.

weiterlesen

Elastomer-Materialguide: Materialien für O-Ringe eignen für diverse Anwendugnsfälle

Elastomer-Materialguide: EPDM, NBR, HNBR, FKM, VMQ

Elastomer-Materialguide: Eigenschaften, Temperatur- & Medienbeständigkeit, Compression Set für EPDM, NBR, HNBR, FKM, VMQ erklärt.

weiterlesen