Chemikalien- & Temperaturbeständigkeit von Elastomeren: Praxis-Matrix 2026
Medien, Temperatur, Dauer: So finden Sie das passende Elastomer – mit schneller Matrix für EPDM, FKM & Co.
WIR FORMEN FÜR IHRE FUNKTION.
- Matrix & Medientabelle sind ein Startpunkt – belastbar wird’s erst mit Service-Medium, Service-Temperatur und realistischer Kontaktzeit.
- EPDM spielt seine Stärken bei Wasser/Heißwasser, Ozon/UV und vielen schwachen Säuren/Basen aus – nicht bei Mineralöl/Kraftstoff.
- FKM deckt viele Öle, Kraftstoffe und zahlreiche Chemikalien bei höheren Temperaturen ab – Tieftemperatur und Heißwasser/Dampf sind typabhängig.
- Druck & Dauer verschieben Grenzen: Was statisch „geht“, kann dynamisch (Reibung/Extrusion) scheitern – Bauteildesign und Härtegrad mitdenken.
- Für die finale Auswahl sind Medienprüfung und Compression Set (Druckverformungsrest) die zwei härtesten Wahrheitstests.
1) Chemikalien- & Temperaturbeständigkeit – welches Elastomer wofür?
2) Matrix: schnelle Auswahl nach Medium & Temperatur
3) Compression Set – kurz erklärt
4) Relevante Normen & Zulassungen
5) Auslegungs-Checkliste
6) Mini-Berechnungen & Parameter
7) Use Case & typische Fehlerbilder
Externe Quellen
Materialsprechstunde
Steckbriefe: EPDM, FKM & Co. (schneller Überblick)
Die folgenden Steckbriefe sind bewusst „praxisnah“: Sie helfen beim Vorsortieren – die finale Chemikalienbeständigkeit hängt immer von Rezeptur, Vernetzung, Füllstoffen und dem realen Einsatzprofil ab.
1Chemikalien- & Temperaturbeständigkeit – welches Elastomer wofür?
Kurzantwort: Starten Sie immer mit Mediumfamilie (Wasser/Öl/Lösemittel/Säure/Base) und legen Sie dann Temperaturprofil, Druck und Dauer darüber. Erst danach lohnt der Vergleich von EPDM, FKM & Co. – idealerweise mit einer Medientabelle als Vorsortierung.
- Medium konkretisieren: Konzentration, pH, Additive (z. B. Tenside, Chlor, Aromaten), sowie Mischmedien getrennt betrachten.
- Temperatur & Kontaktzeit: min/nom/max, Dauerwärme vs. Peaks, Stillstandzeiten (Hot-Soak) – genau hier kippen viele Entscheidungen.
- Mechanik darüberlegen: statisch/dynamisch, Druck, Spalt, Quetschung, Reibung; bei Dynamik konservativer bewerten (Extrusion/Verschleiß).
EPDM ist häufig die erste Wahl bei Wasser/Heißwasser und guter Ozon/UV-Resistenz. FKM wird stark, wenn Öl/Kraftstoff und höhere Temperaturen dominieren. NBR/HNBR sind „Öl-Spezialisten“ (HNBR mit besserer Wärme/Ozon-Festigkeit). VMQ liefert Temperatur-Spielraum, ist aber in vielen Medien limitiert.
Tipp: Hersteller-Kompatibilitätsguides (z. B. aus der Industrie, etwa Greene Tweed) helfen beim Vorsortieren – die sichere Entscheidung fällt aber über anwendungsnahe Prüfungen und Erstmuster.
2Matrix: schnelle Auswahl nach Medium & Temperatur – Chemikalien- & Temperaturbeständigkeit
Kurzantwort: Nutzen Sie die Matrix als Vorsortierung. Wenn zwei Werkstoffe „gleich gut“ aussehen, entscheidet meist Dauerwärme (Alterung/CS) oder Mechanik (Dynamik/Extrusion) – nicht die reine Chemikalienliste.
Für angrenzende Anwendungen und Branchen-Use-Cases lohnt ein Blick auf die REIKA Märkte-Übersicht.
| Werkstoff | Tempbereich | Heißwasser/Dampf | Öle/Kraftstoffe | Säuren/Basen | Ozon/UV | Compression Set | Typische Anwendungen |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| EPDM | −50…+150 °C | ++ (Dampf je nach Rezeptur) | – | ++ | +++ | ++ | Wasser-/Heißwasser-Dichtungen, Membranen, Außenanwendungen |
| NBR | −30…+110 °C | o | +++ | o | – | ++ | Hydraulik/Pneumatik, Ölkontakt, Dämpfer im Innenraum |
| HNBR | −30…+150 °C | o/++ | +++ | o/+ | + | ++/+++ | höhere Temperatur/Last, wenn NBR nicht reicht |
| FKM | −20…+200 °C | o (typabhängig) | +++ | +++ | +++ | ++/+++ | High-Temp, Chemie-nahe Medien, Öl/Kraftstoff im Dauerbetrieb |
| VMQ | −60…+200 °C | + | –/o (FVMQ anders) | + | +++ | ++ | Temperatur-Extrem, Isolation, Schutz-/Dämpffunktionen |
- Ketone/Ester/Amine: können bei bestimmten Elastomeren überraschend kritisch sein – hier immer Service-Medien testen.
- Chlor/oxidierende Zusätze: in Heißwasser/Reinigung beeinflussen Alterung massiv (Dauerwärme + Chemie).
- Mischmedien: Additive (Tenside, Aromaten) verändern Quellung/Extraktion; Einzeldaten sind dann nur begrenzt übertragbar.
- Gas/Permeation: bei Druckwechseln (z. B. CO₂) zählt nicht nur Beständigkeit, sondern auch Diffusion und Dekompression.
3Compression Set – kurz erklärt
Kurzantwort: Compression Set (CS) = Druckverformungsrest. Er zeigt, wie viel bleibende Stauchung nach definierter Kompression bleibt. Je kleiner der CS, desto stabiler bleibt die Dichtfunktion über Zeit – besonders bei Temperatur.
- CS immer bei anwendungsnahen Temperaturen & Zeiten bewerten (Dauerwärme ist entscheidend).
- Bei gleicher Chemikalienbeständigkeit gewinnt oft der Werkstoff mit besserem CS im realen Temperaturfenster.
- Design-Hebel: Quetschung, Spalt, Oberflächen – zu viel Kompression beschleunigt Setzversagen.
4Relevante Normen & Zulassungen – Chemikalien- & Temperaturbeständigkeit
Kurzantwort: Für belastbare Daten führen zwei Prüfwelten zusammen: Medienwirkung (Quellung/Extraktion/Eigenschaftsänderung) und Langzeit-Dichtverhalten (CS).
- Medienbeständigkeit: Immersion & Eigenschaftsvergleich vor/nach Kontakt (Praxis: Service-Medien, Service-Temperatur).
- Compression Set (CS): Prüfung bei definiertem Kompressionsgrad und Temperatur/Zeit.
- Optional (Industrie-Praxis): Vergleichstests nach etablierten Testmethoden für „Effect of Liquids“.
Wenn Sie Konformitäten, Datenblätter oder Freigaben benötigen: Datenblätter & Infos. Bei REIKA kommt die Auslegung aus einer Hand (Mischerei, Fertigung, QS, Logistik) – hilfreich, wenn Rezeptur und Bauteil gemeinsam optimiert werden sollen.
5Auslegungs-Checkliste
Kurzantwort: Je genauer Medium, Temperatur, Druck und Dauer beschrieben sind, desto schneller wird aus „Vermutung“ eine belastbare Werkstoffempfehlung – inklusive Alternativen.
- ✓ Medium/Medien (Konzentration, pH, Additive, Mischmedien)
- ✓ Temperaturprofil (min/nom/max, Peaks, Dauerwärme, Stillstand/Hot-Soak)
- ✓ Druck/Bewegung (statisch/dynamisch, Frequenz, Hub, Druckspitzen)
- ✓ Kontaktzeit (kontinuierlich/intermittierend, Reinigungszyklen, Stillstandszeiten)
- ✓ Geometrie/Einbau (Nut, Quetschung, Spalt, Oberflächen, Extrusionsschutz)
- ✓ Anforderungen (Dichtheit, Reibung, Abrieb, Temperaturwechsel, Lebensdauerziel)
- ✓ Qualitäts-/Dokumentationsbedarf (CoC, Rückverfolgbarkeit, Prüfplan)
6Mini-Berechnungen & Parameter
Kurzantwort: Drei kleine Kennzahlen reichen oft, um „passt wahrscheinlich“ von „passt sicher“ zu trennen: Quellung, CS und Temperatur-Äquivalenz (Dauerwärme).
7Use Case & typische Fehlerbilder
Medium wechselt zwischen Prozessflüssigkeit und Reinigung (warm, alkalisch/leicht oxidierend). Hier entscheidet oft nicht „Chemikalie X“, sondern das Wechselspiel aus Temperatur, Dauer und Additiven.
- Abwägung: EPDM kann bei Wasser/Reinigung stark sein, wird aber bei Öl-/Kohlenwasserstoffanteilen schnell kritisch; FKM ist bei Öl/Kraftstoff oft besser, muss aber gegen Heißwasser/Dampf typgerecht geprüft werden.
- Design-Hebel: Spalt klein halten, Extrusion unter Druck vermeiden, Quetschung definieren (nicht „auf Block“), Oberflächenqualität sicherstellen.
- Nachweis: Service-Medien testen (inkl. Additive) und CS bei realistischen Temperatur-/Zeitbedingungen bewerten.
Fehlerbilder & Abhilfe
- Setzversagen (Leck nach Standzeit): CS zu hoch → Werkstoff/Type anpassen, Quetschung optimieren, Dauerwärme reduzieren oder thermisches Abschirmen prüfen.
- Starke Volumenzunahme / weiche Dichtung: Medium unverträglich → Materialwechsel, Medientabelle nachschärfen, Immersionstest mit Service-Medien ansetzen.
- Risse außen (Ozon/UV): falscher Werkstoff oder Lagerung → EPDM/VMQ/FKM bevorzugen, Schutz vor UV/Ozon und korrekte Lagerbedingungen.
- Extrusion unter Druck: Spalt zu groß / Härte zu niedrig → Extrusionsschutz, Designanpassung, härtere Mischung, ggf. Geometrie ändern.
Externe Quellen
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