Armaturendichtungen für Trinkwasser: sicher, normkonform, langlebig
Leitfaden für Dichtungen in Armaturen/Ventilen: Normen korrekt umsetzen (z. B. DVGW/UBA), passende Werkstoffwahl (u. a. EPDM) treffen und die Lebensdauer über Auslegung, Prüfung und Serviceintervalle gezielt erhöhen.
- EPDM ist in Trinkwasser-Armaturen meist die erste Wahl – entscheidend sind Rezeptur, Vernetzung (oft peroxidisch) und der Konformitätsnachweis.
- Die Standzeit wird selten „vom Wasser“ begrenzt, sondern von Temperaturprofil, Desinfektionsmitteln (Chlor/Chloramine), Druckwechseln und Kompression/Relaxation.
- Für Ventile gilt: Statisch dicht ist anders als bewegte Dichtstellen – Reibung, PV-Wert, Schmierstoffe und Oberflächen entscheiden über Verschleiß.
- Serviceintervalle sollten aus Validierung (Prüfstand/Medienlagerung) abgeleitet und nach Feldfeedback feinjustiert werden – nicht „Pi mal Daumen“.
- Normen/Regelwerke ändern sich: Spezifikation immer mit aktuellem Stand prüfen und dokumentieren.
Armaturendichtungen Trinkwasser – welches Material/Verfahren wofür?
Matrix: schnelle Auswahl nach Medium & Temperatur – Armaturendichtungen Trinkwasser
Compression Set & Stress-Relaxation – kurz erklärt
Relevante Normen & Zulassungen – Armaturendichtungen Trinkwasser
Auslegungs-Checkliste
Mini-Berechnungen & Parameter
Use Case & typische Fehlerbilder
Externe Quellen
Materialsprechstunde
Armaturendichtungen Trinkwasser: Werkstoffe im Überblick (Steckbriefe)
Für Trinkwasser-Armaturen sind Konformität, Migration/Organoleptik und mikrobiologisches Verhalten genauso wichtig wie Temperaturfenster und Druckverformungsrest.
Passende Markt-Einblicke finden Sie auch unter Fluide (Trinkwasser, Pumpen, Ventile).
Armaturendichtungen Trinkwasser – welches Material/Verfahren wofür?
Kurzantwort: Für die meisten Trinkwasser-Ventile und Armaturen ist EPDM (mit passender Rezeptur und dokumentierter Konformität) die robuste Basis.
VMQ punktet bei großen Temperaturwechseln, FKM ist ein Spezialwerkstoff für besondere Medien-/Reinigungsprofile, HNBR kann bei hoher mechanischer Belastung interessant sein – jeweils nur mit anwendungsspezifischer Validierung.
Definieren Sie die Worst-Case-Profile (Konzentration, Temperatur, Kontaktzeit).
Konformitätsdokumente zentral ablegen (z. B. in Ihrem Freigabeprozess).
Tipp aus der Praxis: Wenn Sie Normen/Zulassungen pro Artikel bündeln wollen, ist ein zentraler Dokumentenbereich hilfreich – bei REIKA typischerweise über den Download-Bereich.
Matrix: schnelle Auswahl nach Medium & Temperatur – Armaturendichtungen Trinkwasser
Kurzantwort: Die Matrix dient als Startpunkt. Final entscheiden immer Rezeptur, Konformitätsnachweis, Bauraumtemperaturen (Hotspots) und die Prüfstrategie.
| Profil | EPDM | VMQ | HNBR | FKM | Hinweis |
|---|---|---|---|---|---|
| Kaltwasser (bis ~50 °C) | +++ | ++ | + | + | Standardprofil; Fokus auf Migration/Organoleptik und mikrobiologische Unbedenklichkeit. |
| Warm-/Heißwasser (60–90 °C) | ++ | ++ | + | ++ | CS/Relaxation wird zum Lebensdauer-Treiber: Hotspots im Gehäuse und Stagnation berücksichtigen. |
| Desinfektion (Chlor/Chloramine) | ++ | + | + | ++ | Oxidative Alterung möglich: Rezeptur, Vernetzung, Additivpaket und Prüfmedium realistisch wählen. |
| Thermische Desinfektion / Kurzzeitspitzen | + | ++ | o | ++ | Achtung Relaxation: Dichtung kann „setzen“ und später lecken. Nachweis über CS/Relaxation + Funktionsprüfung. |
Für angrenzende Anwendungen (Pumpen, Membranen, Wasser-Handling) lohnt sich auch ein Blick in unsere Märkte-Übersicht.
Compression Set & Stress-Relaxation – kurz erklärt
Kurzantwort: Der Druckverformungsrest (Compression Set, CS) beschreibt, wie stark eine Dichtung nach längerer Kompression „gesetzt“ bleibt.
Stress-Relaxation betrachtet zusätzlich den Kraftabfall über Zeit – in Ventilen und Armaturen oft der direkte Leckage-Treiber.
- Temperatur beschleunigt beide Effekte: Hotspots (z. B. nahe Heizeinsatz/Metallkern) sind relevanter als die mittlere Wassertemperatur.
- Kompressionsgrad zählt: Zu hohe Quetschung erhöht Relaxation und Verschleiß; zu niedrige Quetschung reduziert Dichtpressung.
- Werkstoff + Rezeptur entscheidet: „EPDM“ ist nicht gleich „EPDM“ – Vernetzung, Füllstoffe und Additive prägen CS und Migration.
Relevante Normen & Zulassungen – Armaturendichtungen Trinkwasser
Kurzantwort: Für Trinkwasser müssen organische Materialien hygienisch geeignet sein. In Deutschland ist die KTW-Bewertungsgrundlage (UBA) zentral; zusätzlich wird häufig das DVGW-Arbeitsblatt W 270 (mikrobiologisches Verhalten) in der Praxis herangezogen.
- Materialfreigabe (Konformitätsdokumente, Rezeptur-/Charge-Bezug) definieren und im Änderungsprozess absichern.
- Bauteilprüfung unter realen Bedingungen: Temperaturspitzen, Desinfektion, Stagnation, Montagefett, Druckwechsel.
- Design-Review: Quetschung, Spalt, Oberflächen, Reibpaarung, Medienpfade (Taste/Odor-Risiken minimieren).
Wenn Sie im Projekt zusätzlich Wert auf nachweisbare Prozesse legen: Ein ISO-basiertes QM-System (z. B. ISO 9001) ist ein starker Rahmen – Details zu REIKA finden Sie unter Über uns.
Auslegungs-Checkliste
Kurzantwort: Je klarer Medium, Temperaturprofil und Dichtprinzip beschrieben sind, desto schneller wird die Materialauswahl belastbar – und desto stabiler wird die Lebensdauerprognose.
- ✓ Medium/Medien: Trinkwasser (kalt/warm), Desinfektion (Chlor/Chloramine), Reinigungsmedien, Stagnation
- ✓ Temperaturprofil: min/nominal/max, Dauer vs. Peaks, Hotspots (Gehäuse/Metallkerne)
- ✓ Dichtprinzip: statisch/dynamisch, Sitzdichtung/Schieber/O-Ring, Bewegungsweg & Frequenz
- ✓ Mechanik: Härte, Quetschung, Spalt/Extrusion, Oberflächen, Reibpartner
- ✓ Schmierstoff/Montagehilfe: Trinkwasser-geeignet & EPDM/VMQ-verträglich (sonst Quellung/Versprödung)
- ✓ Ziel-Lebensdauer & Service: gewünschte Standzeit, Inspektionspunkte, Austauschkonzept
Mini-Berechnungen & Parameter
Kurzantwort: Zwei Kennwerte sind für Ventile/Armaturen besonders nützlich: Quetschung (Dichtpressung) und Gland-Füllgrad (Extrusions-/Montagerisiko).
Praxis: Statisch häufig moderat starten und nach Funktions-/Relaxationstest optimieren. Zu viel Quetschung erhöht Reibung und Relaxation, zu wenig senkt Dichtpressung.
Praxis: Hoher Füllgrad plus Temperaturspitzen kann zu Extrusion/Schäden führen. Genug Raum für Ausdehnung und Quellung einplanen.
Serviceintervalle pragmatisch ableiten:
Temperaturpeaks, Desinfektionsprofil, Zyklenzahl und CS/Relaxation-Ergebnisse aus Ihrer Validierung.
Use Case & typische Fehlerbilder
Kurzantwort: Die meisten Ausfälle sind Kombinationen aus Werkstoffwahl, Dichtdesign und Prozessbedingungen – und lassen sich mit wenigen „Checks“ früh vermeiden.
EPDM-Sitzdichtung zeigt nach Temperaturspitzen und Stagnationsphasen sinkende Dichtpressung (Relaxation) → tropfende Armatur.
Lösung: Temperaturprofil realistisch testen, Quetschung/Geometrie optimieren, Schmierstoff-Kompatibilität prüfen und Rezeptur/CS-Performance absichern.
Wenn Sie eine belastbare Material- und Lebensdauerentscheidung brauchen, lohnt sich ein kurzer Austausch: Anwendung, Temperaturprofil, Zyklen und Normen genügen oft für eine erste qualifizierte Richtung.
Externe Quellen
Umweltbundesamt (UBA): Bewertungsgrundlagen & Leitlinien (KTW-BWGL, Überführung Elastomerleitlinie)
DVGW Arbeitsblatt W 270: Vermehrung von Mikroorganismen auf Werkstoffen im Trinkwasserbereich (PDF)
DIN EN 681-1: Elastomer-Dichtungen – Werkstoff-Anforderungen (Wasserversorgung/Entwässerung)
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