PFAS-Update 2026: Auswirkungen auf FKM/FFKM-Dichtungen
- ECHA-Updates (20./27.08.2025): Der PFAS-Restriktionsprozess wurde aktualisiert und die Zeitschiene präzisiert – das erhöht den Druck auf „FKM/FFKM als Standardwahl“.
- FKM/FFKM sind fluorierte Elastomere und fallen je nach finaler REACH-Definition/Anhang-XVII-Text in den PFAS-Umfang: Risiko = Verfügbarkeit, Preis, Dokumentation, Zulassung.
- PFAS-freie Alternativen sind möglich – aber immer anwendungsabhängig (Medium, Temperatur, Dynamik, Dichtprinzip). Für „FFKM-Level“ braucht es oft Design- oder Prozessanpassungen.
- Einkauf-Quick-Win: PFAS-Transparenz in die Spezifikation (Materialdeklaration, CAS/Polymer-Typ, Lieferantenerklärung, Änderungsmanagement).
- Engineering-Quick-Win: Screening über Medien-/Temperaturmatrix, dann Tests (z. B. ISO 1817, ISO 815-1) mit Service-Medien.
- Praxis: Frühzeitig Dual-Sourcing & Bemusterung starten – besonders bei kritischen Baugruppen (Chemie, Fuel, Hochtemperatur).
1) PFAS-freie Dichtungen – welches Material/Verfahren wofür?
2) Matrix: schnelle Auswahl nach Medium & Temperatur – PFAS-freie Dichtungen
3) Compression Set – kurz erklärt
4) Relevante Normen & REACH-Zulassungslogik – PFAS-freie Dichtungen
5) Auslegungs- & Einkaufs-Checkliste
6) Mini-Berechnungen & Parameter
7) Use Case & typische Fehlerbilder
Externe Quellen
Materialsprechstunde
PFAS-freie Dichtungen: Optionen im Überblick (Steckbriefe)
Temperaturfenster und Beständigkeiten sind rezeptur- und designabhängig. Nutzen Sie die Steckbriefe als Screening – die finale Freigabe erfolgt über Medien-/Alterungsprüfung und Bauteiltest.
1PFAS-freie Dichtungen – welches Material/Verfahren wofür?
Kurzantwort: Eine „1:1 FKM-Alternative“ gibt es selten. Erfolgreiche Substitution entsteht aus Material + Dichtprinzip + Randbedingungen.
Für Warmöl/Fuel sind HNBR oder AEM/ACM häufig die ersten fluorfreien Kandidaten; für Wasser/Heißwasser sind EPDM und teils VMQ stark.
Bei FFKM-Anwendungen ist ein Wechsel oft nur über Redesign (z. B. Metall-/Graphitdichtung, Geometrie, Oberflächen, Temperaturspitzen reduzieren) realistisch.
Praktisch heißt das für den Maschinen- und Anlagenbau: Erst die Baugruppe klassifizieren (Medium, Temperaturprofil, Dynamik), dann über Matrix screenen und anschließend verifizieren.
Für branchennahe Beispiele finden Sie Anwendungen auch unter Elastomere im Maschinenbau sowie in der Märkte-Übersicht.
- Beschaffung: mehr Dokumentationsaufwand (Materialdeklarationen, Konformitätsaussagen, Änderungsmitteilungen), potenziell längere Lead-Times.
- Entwicklung: Alternativen früh bemustern, Medienprüfungen auf Service-Medien umstellen (nicht nur Standardöle), Alterung & CS (Druckverformungsrest) priorisieren.
- Risikomanagement: Baugruppen priorisieren: „A“ = sicherheits-/zulassungsrelevant, „B“ = performance-kritisch, „C“ = austauschbar.
2Matrix: schnelle Auswahl nach Medium & Temperatur – PFAS-freie Dichtungen
| Werkstoff | Warmöl/Fuel | Wasser/Heißwasser | Dampf | Säuren/Basen | Lösemittel | Temperaturfenster (typ.) | Kommentar |
|---|---|---|---|---|---|---|---|
| EPDM | – | +++ | o/++ | ++ | o | ca. −50…+150 °C | Top für Wasser/UV/Ozon; Fuel = No-Go. |
| NBR | ++ | o | – | o | o | ca. −30…+110 °C | Solide und günstig, aber Wärme/Ozon begrenzen. |
| HNBR | +++ | o/+ | –/o | o | o | ca. −30…+150 °C | Häufige FKM-Alternative bei Fuel/Warmöl (Testen!). |
| VMQ | –/o | ++ | o/+ | + | o | ca. −60…+200 °C | Sehr stark bei Temperatur/Alterung; Fuel kritisch. |
| AEM/ACM | ++ | o | –/o | o | o | ca. −30…+175 °C | Warmöl/Fuel-Peripherie – Temperatur & Additive prüfen. |
| TPE/TPV* | o | + | –/o | o | o | typ. −40…+125 °C | *Bauteil-/Dichtprinzip-abhängig; gut für Clips/Lippen/Profile. |
3Compression Set – kurz erklärt
Kurzantwort: Der Druckverformungsrest (Compression Set, CS) zeigt, wie stark eine Dichtung nach längerer Kompression „liegen bleibt“. Je kleiner der CS, desto stabiler bleibt die Anpressung – besonders wichtig bei Temperaturspitzen und langen Standzeiten.
- CS immer bei anwendungsnahen Zeiten/Temperaturen prüfen (z. B. Hotspot statt Umgebung).
- Bei Materialwechsel (FKM → HNBR/ACM/VMQ) CS als Gating-Kriterium definieren (Go/No-Go).
- CS ist nicht alles: Quellung/Extraktion (ISO 1817) und dynamische Reibung separat bewerten.
4Relevante Normen & REACH-Zulassungslogik – PFAS-freie Dichtungen
Kurzantwort: Für die technische Freigabe brauchen Sie verlässliche Prüfpfade – für die regulatorische Seite robuste Lieferkettendaten.
Technisch etabliert: Medienprüfung (z. B. ISO 1817), Compression Set (ISO 815-1) sowie bauteilnahe Dichtheits-/Alterungstests.
Regulatorisch: REACH-Restriktionen werden typischerweise als Eintrag in Anhang XVII umgesetzt – mit Übergangsfristen und ggf. Ausnahmen je Anwendung.
Tipp: Legen Sie bereits jetzt eine „Konformitätsmappe“ je Dichtung an (Materialtyp, Rezeptur-/Änderungsstatus, Prüfberichte, Lieferantenerklärungen).
Für Downloads/Infos bündeln wir Unterlagen unter Datenblätter & Infos.
Hinweis: keine Rechtsberatung.
5Auslegungs- & Einkaufs-Checkliste
Diese Liste ist bewusst „Einkauf + Entwicklung“: Je sauberer die Inputs, desto schneller kommen Sie zu einer belastbaren PFAS-freien Materialentscheidung.
- ✓ Medium/Medien: Konzentration, Additive, pH, Reinigungszyklen, Gasanteile, Kontaminanten.
- ✓ Temperaturprofil: min/nominal/max, Dauer/Spitzen, Aufheizrampen, Hotspots am Bauteil.
- ✓ Mechanik: statisch/dynamisch, Frequenz/Hub, Oberflächen, Spalt, Quetschung, Toleranzen.
- ✓ Prüfplan: ISO 1817 (Service-Medien) + ISO 815-1 (CS) + Bauteil-Dichtheit/Alterung.
- ✓ PFAS-Transparenz: Lieferantenerklärung, Materialtyp, Änderungsmanagement, Rückverfolgbarkeit/CoC.
- ✓ Supply-Plan: Dual-Sourcing, Sicherheitsbestand, Umstellplan (Zeichnung/Teilenummer, Freigabestatus).
6Mini-Berechnungen & Parameter
Kurzantwort: Für eine schnelle Vorauswahl reichen zwei Stellgrößen: Quetschung (Dichtprinzip) und Quellung (Mediumseinfluss). Beides entscheidet, ob eine PFAS-freie Alternative „in der Nut“ stabil abdichtet.
Richtwert-Screening: <10 % oft unkritisch · 10–20 % prüfen · >20 % kritisch (Dichtmaß/Spalt/Extrusion mitdenken).
7Use Case & typische Fehlerbilder
- Fehlerbild „Schleichleck“: CS zu hoch oder Quetschung zu niedrig → Anpressung fällt über Zeit ab.
- Fehlerbild „Aufquellen/Extrusion“: ΔV zu hoch + Spalt/Druck → Material wandert, Kanten reißen.
- Fehlerbild „Riss/Versprödung“: Ozon/UV/Temperaturspitzen unterschätzt (typisch bei NBR ohne Schutzkonzept).
REIKA entwickelt und fertigt Elastomerlösungen aus einer Hand (Mischerei, Fertigung, QS, Logistik) – mit flexiblen Losgrößen von 1 bis 2.000.000 Stück, Made in Germany (Karlsruhe).
Externe Quellen
- ECHA: PFAS (Hot Topics, Restriktionsverfahren)
- ECHA: Veröffentlichung des aktualisierten PFAS-Restriktionsvorschlags (20.08.2025)
- REACH-CLP-Biozid Helpdesk: Summary zum Background Document (2025)
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